Wie lange Hände waschen? 20 bis 30 Sekunden
Hände waschen dauert richtig 20 bis 30 Sekunden mit Seife – so lange braucht es, um alle Flächen einschließlich Fingerzwischenräumen, Daumen und Fingerspitzen einzuseifen, so die Empfehlung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf infektionsschutz.de. Das Wasser davor und danach zählt nicht mit; wer nur 5 Sekunden einseift, entfernt einen Großteil der Keime nicht.
Gründliches Händewaschen senkt das Ansteckungsrisiko, ersetzt aber keine Behandlung. Ärztliche Hilfe ist nötig bei Wunden an den Händen, die sich röten, anschwellen, pochen oder eitern, bei Bissverletzungen (auch kleinen) und bei einem Hautausschlag, der sich trotz Pflege ausbreitet. Notruf 112 bei einer Verletzung mit starker Blutung, die sich nicht stillen lässt, oder bei Schwellung von Gesicht und Hals mit Atemnot nach Kontakt mit einem Reizstoff.
Die Schritte in 30 Sekunden
Stellen Sie den Timer auf 30 Sekunden und starten Sie ihn, sobald die Seife auf den Händen ist.
Händewasch-Timer
- Hände unter fließendes Wasser halten – die Temperatur ist gleichgültig, warm ist nur angenehmer. Wasser allein löst kaum Fett und Keime.
- Einseifen, 20–30 Sekunden: Handflächen aneinander reiben, dann jeweils Handrücken, die Fingerzwischenräume mit gespreizten Fingern, die Fingerspitzen in der gegenüberliegenden Handfläche, beide Daumen umfassend und zuletzt die Handgelenke. Jede Fläche etwa 3–4 Sekunden.
- Abspülen unter fließendem Wasser, bis kein Schaum mehr bleibt.
- Abtrocknen mit einem sauberen Handtuch oder Einmaltuch; auf feuchten Händen überleben und übertragen sich Keime leichter. In öffentlichen Waschräumen den Hahn mit dem Papiertuch schließen.
Flüssigseife aus dem Spender ist im öffentlichen Bereich hygienischer als ein Seifenstück; zu Hause ist beides in Ordnung. Antibakterielle Seife bringt laut BZgA im Alltag keinen Vorteil gegenüber normaler Seife.
Warum die Dauer zählt
Seife wirkt auf zwei Wegen: Tenside lösen Fett, Schmutz und die darin haftenden Mikroorganismen von der Haut, und bei behüllten Viren wie Influenza- oder Coronaviren zerstören sie die Fetthülle. Beides braucht mechanische Arbeit und Kontaktzeit. Die 20–30 Sekunden sind der Zeitraum, in dem alle Flächen einmal gründlich gerieben werden können; wer dieselbe Sorgfalt in 15 Sekunden schafft, ist nicht schlechter dran, in der Praxis werden bei kürzerer Zeit aber regelmäßig Daumen, Fingerkuppen und Handrücken ausgelassen. Die Weltgesundheitsorganisation gibt für den gesamten Vorgang einschließlich Wasser und Abtrocknen 40–60 Sekunden an – die Differenz zu den 20–30 Sekunden von infektionsschutz.de ist genau das Nassmachen, Abspülen und Trocknen.
Wann waschen, wann desinfizieren
| Situation | Waschen mit Seife | Desinfektion |
|---|---|---|
| Nach Hause kommen, nach Toilette, vor dem Essen und Kochen | ja, 20–30 s | nicht nötig |
| Nach Naseputzen, Husten, Niesen in die Hand | ja | nur, wenn kein Wasser erreichbar ist |
| Nach rohem Fleisch, Geflügel, Eiern | ja, gründlich; Desinfektion ersetzt Waschen hier nicht | nein |
| Kontakt mit Erkrankten, Pflege, Praxis | ja, bei sichtbarer Verschmutzung | ja, 30 s Einreibezeit nach Herstellerangabe |
| Unterwegs ohne Wasser | nicht möglich | ja, auf trockenen Händen vollständig einreiben |
| Magen-Darm-Erkrankung im Haushalt (z. B. Noroviren) | ja, unbedingt | nur mit als viruzid gekennzeichnetem Mittel |
Händedesinfektionsmittel wirkt gegen die meisten Bakterien und behüllten Viren, aber nicht gegen sichtbaren Schmutz und schlechter gegen unbehüllte Viren wie Noroviren; im Haushalt ist Waschen mit Seife die Regel und Desinfektion die Ausnahme. Wer Hände häufig wäscht, pflegt sie nach dem Abtrocknen mit Creme, denn rissige Haut ist selbst eine Eintrittspforte für Keime.
Was die Forschung sagt
Die BZgA verweist auf infektionsschutz.de darauf, dass ein großer Teil der ansteckenden Erkrankungen – Erkältungen, Grippe, Magen-Darm-Infekte – über die Hände übertragen wird und regelmäßiges Händewaschen die Zahl der Infektionen deutlich senkt. Die Weltgesundheitsorganisation führt Händehygiene seit 2009 in ihren Leitlinien für Gesundheitseinrichtungen als wirksamste Einzelmaßnahme gegen Krankenhausinfektionen. Übersichtsarbeiten zur Händehygiene in der Allgemeinbevölkerung (etwa die Cochrane-Übersicht von Jefferson et al., 2023, zu physischen Maßnahmen gegen Atemwegsinfektionen) finden eine Verringerung von Atemwegsinfekten durch Händewaschprogramme; die Autoren weisen auf die uneinheitliche Qualität der Studien hin, die Richtung des Effekts ist aber über viele Untersuchungen hinweg gleich. Für die genaue Dauer gibt es weniger Daten als für das Ob: Laborstudien zeigen, dass die Keimreduktion mit der Einseifzeit bis etwa 30 Sekunden zunimmt und danach kaum noch.
Kinder: die Dauer hörbar machen
Kinder waschen meist zu kurz. Zwei Strophen von „Alle meine Entchen“ oder zweimal „Happy Birthday“ dauern etwa 20–25 Sekunden – ein Lied, das gesungen oder gesummt wird, ersetzt die Uhr. In Kitas und Grundschulen haben sich Bilder mit den Schritten am Waschbecken bewährt; die BZgA stellt solche Materialien bereit. Ein sichtbarer Countdown wie der Timer für 30 Sekunden auf dem Tablet neben dem Waschbecken funktioniert bei Kindern ab dem Kindergartenalter ebenfalls, weil der Fortschrittsbalken zeigt, wie lange noch. Wer das Waschen vor dem Essen fest in eine Morgenroutine oder die Kochvorbereitung einbaut, muss seltener erinnern – ebenso wie beim Zähneputzen mit 2-Minuten-Timer.
Muss das Wasser heiß sein?
Nein. Die Temperatur, die Keime abtöten würde, wäre für die Haut zu heiß; entscheidend sind Seife, Reiben und Zeit. Lauwarmes Wasser schont die Haut.
Reichen 10 Sekunden, wenn ich mich beeile?
In 10 Sekunden werden fast immer Flächen ausgelassen, vor allem Daumen und Fingerspitzen. Die 20–30 Sekunden gelten für das Einseifen aller Flächen.
Sind Desinfektionsmittel besser als Seife?
Im Alltag nicht. Seife entfernt auch Schmutz und wirkt gegen Noroviren, wo viele Mittel versagen; Desinfektion ist sinnvoll, wenn kein Wasser erreichbar ist oder im Umgang mit Erkrankten.